Zeit des Beifahrers gilt in Frankreich als Lenkzeit

Im Zuge der am 2. März 2016 vollständig in Kraft getretenen Verordnung (EU) Nr. 165/2014 interpretieren die französischen Kontrollbehörden die als Beifahrer verbrachte Zeit nunmehr als Lenkzeit. Anders als bisher wird dadurch beim Einsatz von Zwei-Fahrer-Besatzungen bereits nach viereinhalb Stunden Lenkzeit eine Fahrtunterbrechung erforderlich.


Mit dem vollständigen Inkrafttreten der Verordnung (EU) Nr. 165/2014 haben die französischen Behörden die Interpretation der Zeit, die ein Fahrer auf dem Beifahrersitz während eines Doppelfahrereinsatzes verbringt, geändert. Mit Verweis auf Artikel 34 der Verordnung (EU) Nr. 165/2014 wird dieser Zeitraum nicht mehr wie bisher als Lenkzeitunterbrechung, sondern als Lenkzeit angesehen. Dies hat zur Folge, dass beim Einsatz einer Zwei-Fahrer-Besatzung nach spätestens viereinhalb Stunden Lenkzeit eine 45-minütige Lenkzeitunterbrechung eingelegt werden muss.
Worin die Änderung des Artikels 34 der Verordnung (EU) Nr. 165/2014 bestehen soll, die eine solche Vorgehensweise rechtfertigen würde, kann bisher weder vom Deutschen Speditions- und Logistikverband (DSLV) noch von anderen (internationalen) Verbänden nachvollzogen werden. Auch steht dieses Rechtsverständnis der französischen Behörden dem Inhalt der Leitlinie Nr. 2 zu den Sozialvorschriften im Straßenverkehr der EU-Kommission entgegen, wonach ein Zeitraum von 45 Minuten des Beifahrers als „Fahrtunterbrechung“ angesehen werden kann. Zwar haben die Leitlinien keinen verpflichtenden Anwendungscharakter, sondern dienen lediglich einer Orientierung zur einheitlichen europäischen Auslegung der einschlägigen EU-Verordnungen. Klar dürfte aber auch sein, dass ein Verhalten nicht gleichzeitig als Fahrtunterbrechung – so die Ansicht der EU-Kommission – und Lenkzeit – so die Meinung der französischen Kontrolleure – gewertet werden kann.
Die französische Vorgehensweise hat bereits zu hohen Strafzahlungen geführt und wurde der EU-Kommission vorgetragen. Diese wird Frankreich in einem ersten Schritt auffordern, sich zur gegebenenfalls vertragsverletzenden Anwendung des EU-Rechts zu erklären. Um das Ausmaß der französischen Kontrollen gegenüber der EU-Kommission besser darstellen zu können, nimmt der DSLV zum Zwecke der Weiterleitung gerne Informationen zu entsprechenden Kontrollerfahrungen entgegen.
Quelle: dslv.org

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